Gänslich glücklich

0017c.jpgMit Gänseblümchen fängt alles an. Die Kindheit. Der Frühling. Das einfache Glück. Und auch das fortgeschrittene.

Es gibt kaum ein freundlicheres, optimistischeres, bescheideneres Pflänzchen. Es verlangt wp-1581181884015.jpgnur, dass man gelegentlich mäht – oder beweiden lässt – denn im hohen Gras kann es sich nicht behaupten. Es braucht Licht und Luft und Freiheit, wie wir alle. Dafür verzeiht es gern, wenn man mit dem Kaffetablett darüberläuft. Oder darauf Federball spielt.

Das Gänseblümchen ist die perfekte Blüte. Mitte, Blütenblätter, fertig. Kein Gedöns. Kein Schnickschnack. Kein Chic, keine Rüschen, keine Farben, kein Luxus. Es ist einfach es selbst. Die Blume schlechthin. Es genügt, genau so zu sein. Mancher von uns braucht ein Leben lang, um das zu lernen. Mache wagen es nie. Und andere wieder kennen es gar nicht anders.

Das Gänseblümchen ist auch eine Lebensentscheidung. Darf es in meinem Garten wachsen? Rücke ich ihm sofort mit einem Messer oder Chemie zu Leibe? Oder heiße ich es willkommen, betrachte es mit Glück und Kameradschaft und laufe barfuss in seinem Reich? Lege ich mich an einem Sommernachmittag zu ihm, genieße sein Lächeln auf Augehöhe und weiß, dass dies genau das ist, worum es im Leben geht?

Ein Gänseblümchen ist schlichte Wahrheit. Des Pudels, oder vielmehr des Glückes Kern. Jedenfalls das perfekte Bild dafür. Finde ich.

Ich liebe all die vielen verschiedenen Blumen in meinem Garten. Die wilden, die versehentlichen, die zufälligen, die zuviel gepflanzten und die mühsam gezogenen. Aber wenn ich nur ein kleines Stückchen Gras mit Gänseblümchen hätte, dann wäre es auch genug.

 

Flugsterne

Wir neigen dazu, mit großer Ungeduld auf den Frühling zu warten. Doch heute begegnete mir auf einem Spaziergang eine leuchtende Wolke aus Federsternen. Samen, weich geborgen und in aller Ruhe wartend, bis die richtige Zeit gekommen ist. Bis ein warmer Wind wp-1579603969037.jpgsie an ihrem silbrigen Plüsch fortsegeln läßt an einen Ort, an dem sie gedeihen können. Und ich dachte mir: Genauso müssten wir es auch machen. Die Schönheit auskosten, die gerade das Wahre ist. Die Zeit der Ruhe genießen als das Geschenk, das sie ist und sein soll.  Darauf vertrauen, dass die Leichtigkeit und der Aufbruch genau dann kommen, wenn es an der Zeit ist.  Bis dahin ist es mehr als genug, den Glanz zu schauen.

 

Der bunte Anfang

wp-1579535094058.jpgEtwas am Blumenpflücken macht den Tag leicht, vor allem wenn es mitten im Winter ist. Es ist ein bißchen wie Barfußgehen im Kopf, wie bei Morgentau im taunassen Gras herumhüpfen oder im Regen lachen – es ist eines von den ganz einfachen Dingen, die unkompliziert glücklich machen. Und noch mehr, wenn sie auch noch zu einem unerwarteten Zeitpunkt kommen.

Der erste Blumenstrauß im Jahr trägt den ganzen Frühling und Sommer in sich. Er ist das Samenkorn, in dem die gesamte Freude am kommenden Wachsen gründet. Darum darf er auch ganz klein sein.

Er ist ein auch bißchen wie ein Brief vom Garten, eine Nachricht, dass dieser nun erwacht, in aller angemessenen Ruhe.

Ich pflücke nur die Blüten, die der Wind oder die Amsel geknickt hat oder die irgendwo unter schweren Zweigen erdrückt werden.

Der Rest bleibt unter dem Himmel, unter den er gehört. Sie sollen ja auch all den anderen Keimlingen Mut machen die sich, noch unsichtbar, unter der Erde hocharbeiten. Die in der Vase aber, die schenken ihn mir – den Mut.