Die Stille vor dem Grün

Jetzt ist der lange, tiefe Schnee doch noch noch gekommen, mitsamt ungewöhnlicher Kälte, die bis ins Innerste erfrischt, wenn man ihr entgegengeht. Ein großes Anhalten des Atems, bevor die grüne Welle über das Land rollt und Blüten mit dem Wind tanzen.

Ich bin barfuß durch den Pulverschnee gelaufen, habe Arme und Gesicht darin gewaschen bis es kribbelte, und später dann stehe ich auf dem Feld und bade in der Stille. Die ist so dick ist wie die Schneeschicht und so beglückend, weil man sich innerlich hineinfallen lassen kann wie in eine Hängematte, und sie alles auffängt und weich und ruhig macht.

Die unfassbar zahllosen winzigen Sterne, die so stetig vom Himmel rieseln – und kein einziger ist wie der andere – ein Wunder, vor dem ich mit Ehrfurcht und Fassungslosigkeit stehe, immer wieder. Das Trommeln eines Spechts und das Rufen der Kraniche sind die alleinigen Klänge in dieser verzauberten Welt. Die Kraniche fliegen unsichtbar über den fallenden Flocken, ich weiß nicht ob nach Norden oder Süden, und ich lausche ihnen lange nach. Die Flocken fallen und fallen, die Zeit steht still, und alles fällt von mir ab.

Zuhause in Lucys Garten stehen die grünen Spitzen aufrecht im Weiß, warm gebettet, und warten geduldig und unbeirrt auf ihren Einsatz, während sich die Erde wohlig unter ihrer filigranen Sternendecke dehnt.

2 Kommentare zu „Die Stille vor dem Grün

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