Ruhige Gewißheit

Über Nacht hat sich ein Zauber über den Garten gelegt, hier der erste richtige Schnee in diesem Winter. Der Morgen schleicht sich langsam über den Horizont und staunt. Dieses kühle, weiche, leichte Gewand, glitzernd im ersten Licht, erinnert uns daran, dass Winter die Zeit der Ruhe ist, der Regeneration, des Innehaltens. Die Pflanzen tun das, weil sie das so benötigen. Uns geht es ebenso, wir vergessen das viel zu schnell in unserer Ungeduld, dass der Frühling kommen möge, am liebsten gestern. Doch was wäre ein Frühling, der nicht aus einem Winter geboren wird? Wir können uns ruhig daran erfeuen. Denn unter all der starren Kälte und der scheinbaren Kahlheit von Strauch und Baum ist ja alles am Werke, wonach wir uns sehnen. Längst arbeiten die Wurzeln in der Erde, greifen nach neuem Leben, schuften Kleinstlebewesen um alles fruchtbar zu machen, formen sich Schößlinge und Blütenblätter, pumpt die Rinde Wasser und recken sich Knospen zum Licht. Darauf können wir uns auch in den dunkelsten Stunden verlassen, dessen können wir uns immer gewiß sein. Es wirkt und werkelt da draußen, Tag und Nacht, und alles kommt zu seiner Zeit.

Bis dahin gibt es genug, was uns Mut macht. Die Winterblüher sind unermüdlich, Winterjasmin und Schneeblüte, Duftschneeball und Christrose. Längst blühen auch schon Zaubernuss, Erlen, die Haselnüsse und die Schneeglöckchen, hier und da Winterlinge oder die ganz frühen Narzissen. Alles andere schiebt grüne Finger durch den Schnee und meldet: Hier bin ich schon, ich verpacke nur noch die Geschenke!

Und wer sich selbst sofort ein Geschenk machen möchte, der kann einmal barfuß auf den Balkon treten oder durch den Garten laufen, denn hinterher kribbeln die Füße noch lange und man fühlt sich wach und neu als wäre doch schon Frühling.

5 Kommentare zu „Ruhige Gewißheit

  1. Das sind wieder wunderschöne Fotos. Es hat eben jede Jahrezeit ihren Reiz.
    Vielen Menschen fehlt leider die Fähigkeit solche Dinge zu erkennen.
    Ich wünsche Dir einen schönen Schnee – Sonntag. Habe meine Quarantäne Zeit genutzt, um intensiv im „Libellen Buch“ zu lesen. Ab morgen darf ich wieder arbeiten, habe mir aber vorgenommen, jeden Abend noch einige Seiten zu lesen.
    Liebe Grüße aus Sachsen sendet Dir – Katrin

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  2. So schön!
    Auch hier auf dem Balkon schieben sich die Frühblüher durch die Erde. Wie auf ein geheimes Kommando der Natur. Das finde ich jedes Jahr erneut faszinierend.

    Liebe Grüße,
    Syntaxia

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  3. Liebe Patricia,
    in den aktuellen Fotos habe ich das einst namenlose Huhn entdeckt. Hat es denn inzwischen einen Namen?
    „Grüne Finger“ habe ich auf Balkonien auch schon entdeckt – Vorfreude ist etwas Schönes. Ich freue mich auch bei jedem Spaziergang über jeden Winter- und Vorfrühlingsblüher 🙂 In dieser seltsamen Zeit besonders.
    Alles Gute und herzlichen Gruß von Henriette

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    1. Liebe Henriette, der Hahn heißt Fortunus, weil er glücklich ist, im Garten wohnen zu dürfen…
      Ja, der Frühling ist schon spürbar, die Sonne wärmt wieder. Weiter viel Freude dabei! Herzliche Grüße Patricia

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