Der Anfang

Nichts im Garten ist so groß wie das erste kleine Schneeglöckchen. Weil es der Held ist, der sich zuerst ins Licht kämpft. Weil ihm nicht einmal der Frost etwas anhaben kann. Es lässt sich nicht aufhalten und nicht beugen. Es ist bescheiden und gerade in seiner Schlichtheit unglaublich schön. Es kommt ohne Farbe aus. Es sagt einfach nur: Da bin ich.

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Das Schneeglöckchen ist der allererste leise Ton im stillen, erwartungsvollen Saal, die erste Note des Orchsters, das bald den Frühling anspielt. Die erste zuversichtliche Stimme in einem Chor aus Farbe, Form und Energie.

In Lucys Garten sind heute die ersten beiden aufgeblüht.

Ja, es dauert noch. Das Schneeglöckchen wird noch eine Weile allein die Fahne hochhalten bis die Winterlinge sich zeigen und die Hasel zu blühen beginnt. Aber es zeigt uns, dass unsere Geduld nicht überstrapaziert wird.

Denn der Anfang ist gemacht.

Ich freue mich so.

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Außenrum mit Spitze

Ich hatte mich geärgert, weil der Bote das Päckchen nicht wie vereinbart abgestellt hat. So musste ich bei eisigem Wind zur Post. Im Nachinein habe ich mich im Stillen bei ihm bedankt, denn hätte er das Päckchen hinterlassen, wäre ich gar nicht unterwegs gewesen. Dann hätte ich einiges versäumt, was mich erst im Vorgarten, dann am Wegrand anblitzte.

wp-1577962386574.jpgAls ich klein war, zeigten mir meine Schwestern dass die dicken weißen Schneebeeren einen Knall verursachen, wenn man auf eine heruntergefallene tritt. Wenn keiner guckt, mache ich es heute noch. Nicht nur, weil die Spatzen sich dann so erfreut auf die aus der Kugel befreiten Samen stürzen. Der Knall  ist eine kleine Feier des Lebens, wie das Feuerwerk an Silvester, nur verträglicher und irgendwie sogar größer, weil er von Sonne und Wachsen und Reife erzählt und von dem beruhigenden Kreislauf der Jahreszeiten.

Die kleinen rosa Beeren dagegen haben etwas im Winterdunkel beinahe unverschämt Optimistisches, das mich fröhlich macht. Es gibt Tage, auch graue, da haben alle Dinge und Ereignisse einen hellen Rand, ein eigenes, feines Leuchten. Ganz selten, so wie heute, kann man das fotografieren. Ansonsten bleiben dafür, wenn man nicht malen kann,  nur Worte.